Die Zukunft der Burg, der Schulcampus, der Familiensportpark, die Endlosschleife Hotel-Neubau, das Wegbrechen wichtiger Sportereignisse wie Altstadtlauf und Radrennen, der Stellenwert des Buttermarktes, fehlender Wohnraum, eine buntere Unternehmenswelt – die drei Protagonisten der beliebten Talkreihe PLAUSCH AUFE COUCH sind um keine Antwort verlegen. Markus Claaßen, Jürgen Hamelmann und Peter Nieskens zeigen sich bei der von Ursula Gormanns moderierten Veranstaltung im Falko ebenso meinungsfreudig wie ehrlich, wenn es um die Kempener Angelegenheiten geht.
Auch für die SPD als PLAUSCH-Veranstalter ist es ein gelungener Abend, landen doch 210 € im Sparschwein, die in Kürze für die Jugendfeuerwehr im Stadtteil Tönisberg gespendet werden. Mit Blick auf den Benefizcharakter der Veranstaltung erinnert Ursula Gormanns mit gebrochener Stimme an den Ideengeber Udo Schiefner. Der beliebte Kempener Bundestagsabgeordnete ist im vergangenen Herbst überraschend gestorben. Die Vorstände der drei führenden Kempener Organisationen Werbering, Verkehrsverein und Unternehmerkreis nehmen kein Blatt vor den Mund und ernten fast im Fünfminutentakt Applaus des aufmerksam zuhörenden Publikums. Auch auf ein Dutzend Bierdeckelfragen nach der Pause gibt das Trio ehrliche Antworten, entfesselt von jeglichem Lobbyismus. So gibt Markus Claaßen beispielsweise zu Protokoll, dass er es richtig findet, dass drei Parkplätze am Rande der Altstadt und damit eine Engstelle sowie ein Unfallgefahrenpunkt weggefallen sind. Claaßen und seine Mitstreiter am Mikro plädieren für sinnvolle Konzepte statt für kurzsichtige Scharmützel um relevante KK-Themen, die zu eng gedacht meist in der Sackgasse enden. Ein von der Bevölkerung angenommenes Konzept ist in diesem Zusammenhang die Idee des Verkehrsvereins, neben dem „großen“ Weihnachtsmarkt in der kompletten Altstadt einen kleinen feinen Weihnachtsmarkt im Schatten der Propsteikirche zu veranstalten, an dem die Kempener mehr und mehr Gefallen finden. Bürgernahe Lösungen statt Bürokratie und Verhinderungshaltung – das unterstreichen auch die beiden anderen: UKK-Chef Nieskens plädiert für einen Unternehmensmix „Am Selder“, wo nicht der Gewerbeschein, sondern der Ansporn für Wirtschaftinnovation eine Rolle spielen sollte. Ließe die Stadt hier die Zügel locker, würde eine „bunte Unternehmenswelt“ entstehen, in der auch Start-up’s und interessante Geschäftsmodelle ein Zuhause finden und die Stadt weiterentwickeln würden. Ähnlich äußert sich Jürgen Hamelmann, der bei der Vergabe von Straßenbauarbeiten empfiehlt, das Kriterium Zeit im Blick zu haben, so dass nicht über Monate wichtige Verkehrsadern in der Embolie ersticken. Claaßen, Nieskens und Hamelmann sind nicht immer einer Meinung, aber das macht den PLAUSCH spannend und munter. So findet es Hamelmann richtig, im Sinne der Sportvereine einen Familiensportpark zu bauen, wobei Claaßen es kritisch findet, eine „wunderschöne Sportanlage“ wie den Ludwig-Jahn-Park für einen Schulneubau zu opfern. Hier mischt sich dann auch Nieskens ein, der die Sinnhaftigkeit dieses Schulneubaus hinterfragt mit Blick auf explodierte Kosten, leere Stadtkasse und gesunkene Schülerzahlen. Einig sind sich alle Drei, dass die vorhandene Qualität der Schulgebäude dringend verbessert werden muss. Und, so ein kürzlich von Nieskens aufgebrachtes Thema, eine Verschlankung der Gymnasiallandschaft „mit aktuell zwei Wasserköpfen“ ein effektiveres Lernen ermöglicht und unter dem Strich zu höherer Bildung führt.
Bei der Burg, dem Wahrzeichen im Dornröschenschlaf, regen die Drei an, erst mal durch verlockende Außenveranstaltungen wie Feierabendmarkt oder Beach-Party neues Leben an das kurkölnische Kastell heranzutragen. Ein Hotel müsse dringend her, auch wenn es keine Hoffnung mehr zu geben scheint, dass der aktuelle Investor- Kandidat aus den Startblöcken kommt.
Ein lockerer und dennoch nachhaltiger Abend, in dem ohne Verbissenheit und erhobenen Zeigefinger bürgernahe Themen verständlich rübergebracht werden. Am Ende dürfen alle Drei noch mal in drei Worten ihre Verbundenheit zu Kempen formulieren, was Claaßen mit „Lebenswert, liebenswert, Heimat“ auf den Punkt bringt. Den größten Applaus erntet schließlich Nieskens, der einen frommen Wunsch hat: „Dass die Kempener bei wichtigen Entscheidungen für die Stadt mitgenommen werden.“
Ein PLAUSCH AUFE COUCH, der nachwirken wird!
